Großes Hands-on beim RC GERD – mit 13 Mitgliedern ist der RC Großenhain Elbe-Röder Dreieck der kleinste Club des Distrikts. Doch für den Governorbesuch 2025/2026 hatte sich Präsident Olaf Gericke etwas was ganz Besonderes ausgedacht.
Er lud ihn ein zum Hands-on am Urnenhain auf dem Kupferberg in Großenhain. Ein Governorbesuch ganz ohne Powerpoint-Präsentation, markige Aufrufe und viele gute Vorsätze war nicht für jeden altgedienten Rotarier sofort vorstellbar. Aber: Es funktionierte wunderbar!
Doch zur rotarischen Vorgeschichte: Am Pfingstmontag anno Domini 2010 verwüstete ein in diesem Landstrich so noch nie erlebter Tornado nicht nur zahlreiche Dächer im Röderland und bescherte der Dachdecker-Innung Sachsens einen unverhofften Auftragsschub, auch die Baumbestände im ganzen Stadtbereich wurden schwer gelichtet und was noch stehen blieb, sah wirklich traurig aus.
Der rotarische Distrikt 1880 stand in der Not zusammen und hatte eine rotarische Allee im Stadtpark gepflanzt, die auch heute noch prächtig gedeiht. Doch für den Kupferberg reichten die vielen privaten und öffentlichen Mittel der Katastrophenhilfe nicht aus, da lies man Mutter Natur ans Werk. Wie nach einem Kahlhieb schossen schon bald zahlreiche junge Bäume aus dem Boden, wo zuvor ein prächtiger Hochwald stand.
Die Gärtner der Stadtverwaltung wurden dem gewaltigen Nachwuchs schon bald nicht mehr Herr, und so entstand das Projekt „Hands-on am Urnenhain“. Denn auf dem Gelände des Kupferbergs befand sich auch bis 1935 der erste Urnenfriedhof der Stadt. Danach war es gesellschaftlich akzeptiert, die Urnengrablege auf dem Hauptfriedhof durchzuführen. Der Urnenfriedhof wurde aufgelassen und bis zum Tornado vom Wald überwuchert.
Der Sturm legte dann die Eibenhecke und das Friedhofsportal erst mal frei, doch der nachfolgende Wildwuchs versetzte es wieder in den sprichwörtlichen Dornröschenschlaf. Bis der Rotary Club mit der Stadtverwaltung das Hands-on-Projekt Urnenhain startete. Um auf die Personalstärke einen Hebel zu bringen, wurde der Handballclub HC-Großenhain angeworben. Jugendliche Manpower wurde mobilisiert – dafür wurde eine rotarische Spende für die Jugendarbeit zugesagt.
Im Urnenhain sind die Rotarier jedes Jahr am Werk
In kleinen und größeren Schritten wurde die übermannshohen Eibenhecke um das ganze Areal über die Jahre nach und nach freigelegt. Die Nachpflanzungen der auch reichlich vorhandenen Lücken waren bisher noch nicht so erfolgreich, denn die trockenen Sommer des Klimawandels haben hier manch vergossenen Schweißtropfen sang- und klanglos verdunsten und die Jungpflanzen trotz rotarischer Gießeinsätze leider verdorren lassen.
Der Hands-on am Urnenhain verdorrte jedoch nie. Manchmal waren sogar so viele Helfer am Kupferberg dabei, dass die beiden Steinbrüche auf auch mit freigelegt wurden, teilweise bepflanzt und so wieder für die generelle Naherholung nutzbar wurden. In anderen Jahren wurde auch auf Wunsch der Stadtverwaltung der Einsatz der Handballer in den Stadtpark verlegt, weil dort noch dringlicherer Bedarf an Grünpflege war. Doch die Rotarier blieben ihrem Urnenhain treu und waren jedes Jahr am Werk.
Wie der RC GERD die Handballjugend als Helfer lockte
Aber egal wo gearbeitet wurde, der Deal stand und immer wurde Einsatz der Handballjugend mit einer Spende des RC Elbe-Röder-Dreieck honoriert. Dann kam der 15. November 2025. Es ist noch unklar, ob der Governor eingeladen wurde, weil sich abzeichnete, dass in diesem Jahr Großes geschieht oder ob das Kommen des Governors noch einmal einen Schub brachte und so das „Giga-Hands-on“ an jenem 15. November 2025 erst ins Rollen brachte.
Denn es kamen nicht nur die Handballjugend von den fast schon erwachsenen Jungbiertrinkern bis zu den Jüngsten, nein der Verein mobilisierte wirklich alles, was an Mitgliedern noch eine Astschere bedienen oder einen Reisighaufen schichten konnte. Zum Glück war aber auch alles von Jürgen Naumann und Matthias Schmieder perfekt organisiert und vorbereitet worden! Hier sprach die jahrelange Erfahrung aus jedem Detail.
Die drei uns schon aus den Vorjahren bestens bekannten Mitarbeiter vom Bauhof brachten einen Lastwagen voll Werkzeuge für jede einsatzwillige Hand und koordinierten die drei spontan gebildeten Einsatzteams.
Der RC GERD brachte aus den Privatbeständen der Mitglieder und dank Freundin Schmidtgen auch von der Firma „Landmaschinen und KfZ Technik Barnitz“ ebenfalls einen ansehnlichen Werkzeug- und Gartengerätepool mit. Es ist nicht hinreichend belegt, wie viele private Debatten über die Neuanschaffung von Gartengeräten in rotarischen Haushalten in Großenhain mit dem Verweis auf den Einsatz am Hands- on am Urnenhain letztlich positiv entschieden werden.
Materialwagen und Getränkestützpunkt
Aber klar ist, wenn es den Einsatz irgendwann nicht mehr geben sollte, wird die Branche der hiesigen und umliegenden Gartengeräteverkäufer einen schmerzlichen Einbruch erleiden. Es wird unter der Hand gemunkelt, dass ganz schlaue Börsenfüchse ihr Invest in die Stihl Aktien an die Einsätze am Urnenhain geknüpft hätten.
Ralf Zienert eröffnete im „clubeigenen“ Materialwagen mit dem rotarischen Rad auf den Autotüren den Getränkestützpunkt, der aufgrund der kürzlich erfolgten Brauereiführung das Landskroner Kellerbier im Sortiment hatte – welches wie der kundige Biertrinker weiß, in Großenhain Bestell- bzw. Bückware ist. Die Werbebanner des RCs waren dem herbstlichen Wind leider nicht den ganzen Vormittag lang gewachsen, aber erfüllten ihren Dienst für den Auftakt des Einsatzes, weil Freundin Gericke sie mit allen Kräften sicherte. Hier wäre eine Investition in sturmfeste Werbung vielleicht mal eine sinnvolle Maßnahme.
Pünktlich um 9 Uhr ging es los mit einer Einweisung des Bauhofs, einer Begrüßung durch den Präsidenten Olaf Gericke und einer kleinen Ansprache durch Governor Daniel Neuer, der den weiten Weg aus Herrenhut nicht gescheut hatte und danach auch kräftig mit anpackte.
Laubhaufen und Kettensägeverbot
Es galt die Schösslinge zu kappen, die großen Bäume, Rhododendron- und Eibenhecken, Fuß- und Fahrwege freizulegen, das abgeschnittene Astmaterial auf Haufen zu sammeln und die Schlingpflanzen und Dornenhecken zurückzuschneiden. Manche haben sogar das Laub im Wald zusammen geharkt, was die Rehe bestimmt mit Überraschung zur Kenntnis nahmen.
Beeindruckend, mit welchem Tempo sich die Haufen auftürmten und Klein und Groß Hand in Hand und zum Glück auch ganz völlig ohne Arbeitsunfälle zusammenarbeiteten. Irgendwann wurde dem Team Bauhof himmelangst, wie der ganze anfallende Astschnitt bis Jahresende noch abzutransportieren wäre, sodass ein generelles Kettensägenverbot erlassen wurde.
Noch besser funktionierte es, als die Gaststätte Kupferberg hochflexibel das Mittagessen um eine halbe Stunde vorverlegte und so das generelle Arbeitsende einläutete. Aber wie im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg kam auch noch in der letzten halben Stunde ein Rotarier mit hochmotiviertem Sprössling zum Mithelfen und beide wurden dann ganz biblisch mit dem gleichen Lohn in Form eines warmen Mittagessens entlohnt, wie jene, die als erstes gekommen waren.
Und am Ende eine Eierschecke!
Der RC Großenhain Elbe-Röder Dreieck hat zwar kein Inner Wheel, aber ohne unsere Partnerinnen und Partner geht im Club nicht viel und deshalb auch der Dank für alle Mithilfe am Giga-Hands-on an diese Helferinnen. Viele Hände machen eben frühes Ende!
Schön war auch, dass der Nieselregen der Nacht sich am Morgen nicht weiter fortsetzte, sodass die Arbeit im Trockenen getan werden konnte. Doch angesichts der novemberlichen Temperaturen tat dann die heiße Suppe mit Wiener, Kaffee und Tee sowie die Eierschecke zum Nachtisch allen gut und es wurde kräftig zugelangt.
Vielen herzlichen Dank an alle freiwilligen Helfer des Handballclubs und aus der Nachbarschaft!
Vielen Dank an die Stadtverwaltung und den Bauhof für die tatkräftige Unterstützung und Koordinierung. Vielen Dank an das Team vom Kupferberg für das leibliche Wohl!
Ihr habt uns stolz gemacht und wir freuen uns, mit Euch auch nächstes Jahr Großenhain – die Stadt im Grünen – wieder ein Stück lebenswerter zu machen!
Text: Daniel Erhardt
Fotos: RC GERD





