Wasser: Unsere wertvollste Ressource – neuer Themenclub wirbt um Mitglieder

Der Eingang zum Matec Bildungszentrum: Paul Schöpa, Axel Schöpa, Dirk Brinschwitz, Steffen Zschäpe und Peter Fritz in Sierra Leone.

„Wo Wasser fließt, wächst Gleichheit“, so die Vereinten Nationen zum Welttag des Wassers. Aber: Was wird aus der Gleichheit, wenn Wasser zur Mangelware wird? „Unser Umgang ist verwöhnt“, sagt Dirk Brinschwitz (RC Torgau-Oschatz Katharina v. Bora). Er will Wasser als  Friedenschance betont wissen, gerade in diesen kriegsgeplagten Zeiten, in denen Wasser sogar als Waffe eingesetzt wird, etwa durch die drohnende Bombardierung von Entsalzungsanlagen. Dirk Brinschwitz ist promovierter Hydrogeologe und Wasser-Experte: Im Hauptberuf ist er Geschäftsführer der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH, in seiner Freizeit engagiert er sich als einer der Vorstände für den Verein „Wasser ohne Grenzen“. Er plädiert dafür, Wasser als Friedenschance zu sehen: Die Ressource kann Kooperation statt Konflikte fördern – gerade auch in Zeiten des Klimawandels.

Staudamm am Nil: Billiger Strom für Afrika

Er verdeutlicht mit einem Staudamm am Nil und der Zusammenarbeit im Donauraum – dem internationalsten Flussgebiet der Erde: Am Blauen Nil wurde im Sommer 2025 im Norden Äthiopiens der größte Staudamm Afrika in Betrieb genommen. Der 1.800 Meter lange und 145 Meter hohe Grand Ethiopian Renaissance Dam soll mit seinem angeschlossenen Wasserwerk Millionen Äthiopier mit Strom versorgen und überschüssigen Strom in die Region exportieren. Doch die flussabwärts liegenden Nilanrainer Sudan und Ägypten lehnen das Projekt, im Jahr 2011 als Bauprojekt begonnen, vehement ab.

Der Eingang zum Matec Bildungszentrum: Paul Schöpa, Axel Schöpa, Dirk Brinschwitz, Steffen Zschäpe und Peter Fritz in Sierra Leone.
Der Eingang zum Matec Bildungszentrum: Paul Schöpa, Axel Schöpa, Dirk Brinschwitz, Steffen Zschäpe und Peter Fritz in Sierra Leone.

 

Sie fürchten, dass der Damm zu viel Wasser zurückhalten könnte; Wasser, das ihren Staaten flussabwärts für die Bewässerung der Felder fehlen würde. Tatsächlich kann der Damm allen Seiten von Vorteil sein: Die stromabwärts gelegenen Länder Ägypten und Sudan erhalten billigen Strom. Gleichzeitig könnte der Damm zur Regulierung des Nils genutzt werden, um Überschwemmungen zu vermeiden, die in den vergangenen Jahren große Gebiete im Sudan zerstörten.

Vorbild: Zusammenarbeit im Donauraum

Es könnte ein Anfang sein, in Umweltfragen zusammenzuarbeiten – und mittel- bis langfristig die Beziehungen vor Ort insgesamt zu verbessern. Auch die Donau war im Lauf der Jahrhunderte sowohl eine Quelle der Spannung als auch der Zusammenarbeit: Nach dem Krieg in den 1990-er Jahren hat der gemeinsame Fluss zur Befriedung des Balkans beigetragen. Die Flussanrainer hatten eine gemeinsame Organisation gegründet und rückten so näher zusammen.

Vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer

Entlang der Donau arbeiten 14 Staaten an gemeinsamen Projekten und entwickeln die Region in verschiedenen Themenbereichen weiter. Der Donauraum umfasst circa 115 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und reicht vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer.  Das Ziel, allen Menschen weltweit den Zugang zu einwandfreiem und bezahlbarem Trinkwasser sowie zu einer angemessenen und gerechten Sanitärversorgung sowie Hygiene zu ermöglichen, haben die Vereinten Nationen in der Agenda 2030 verankert – und genau diese Ziele will auch „Wasser ohne Grenzen“ verwirklicht sehen.

Die Schüler der ersten Berufsschulklasse "Wash Technicians" am Tag der offiziellen Eröffnung des Matec Berufsschulzentrums.
Die Schüler der ersten Berufsschulklasse „Wash Technicians“ am Tag der offiziellen Eröffnung des Matec Berufsschulzentrums.

Doch heute haben weltweit mehr als 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, so die Vereinten Nationen. Zwei Milliarden Menschen leben in Ländern, die unter starkem Wasserstress leiden, bis 2030 werden es voraussichtlich knapp 2,4 Milliarden sein. Als Folge könnten bis 2030 auch bis zu 700 Millionen Menschen aufgrund von Wasserknappheit zur Migration gezwungen werden, warnt  UNICEF.

Wasserstress: Längst auch in Deutschland ein Thema

Es sind Daten wie diese, die Dirk Brinschwitz im Schlaf nennen kann, denn diese Zahlen spiegeln das Anliegen des Vereins „Wasser ohne Grenzen“. Der unabhängige und gemeinnützige Verein engagiert sich im Norden Ugandas – hier herrscht akuter Wassermangel – für 1,6 Millionen Menschen in einem Flüchtlingscamp und unterstützt dort die Malteser International, um solarbetriebene Wasserversorgungsanlagen in Stand zu setzen. Für Krankenhäuser in Madagaskar wurden Regenzisternen gebaut, ein weiteres Projekt hat Waisenhäuser in Haiti im Blick und in Sierra Leone wurde ein Beruf-Schul- Zentrum aufgebaut und weiter begleitet.

Der Wasserturm am Bildungszentrum Matec in der Provinz Lungi, Sierra Leone.
Der Wasserturm am Bildungszentrum Matec in der Provinz Lungi, Sierra Leone.

Und immer werden Wasser und Abwasser zusammen gedacht, denn es geht auch um menschenwürdige sanitäre Anlagen, Hygiene und Gesundheit. Deshalb ist der Verein „Wasser ohne Grenzen“ der deutsche Partner der Water and Sanitation Rotary Action Group (WASH RAG), der die internationalen rotarischen Aktivitäten auf diesem Gebiet bündelt. Das World Food Programme sieht 50 Millionen Menschen am Rande des Hungertodes, mindestens 345 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen oder bedroht. Wasser ist eine zentrale Ressource: Wasser ist für den Anbau von Getreide, Obst und Gemüse ebenso wichtig, wie für die Viehzucht.

Immer mehr Kinder hungern

Im Dezember 2024 war die Hitze im südlichen Afrika enorm. Ernten vertrockneten, Nutztiere starben. Das Welternährungsprogramm WFP berichtete beispielsweise aus Malawi, ohnehin eines der ärmsten Länder der Welt, von Eltern, die auf Mahlzeiten verzichteten, damit wenigstens ihre Kinder etwas hatten. Die Zahl der unterernährten Kinder verdreifachte sich damals im Vergleich zum Vorjahr – Wissenschaftler machen den Klimawandel und das Wetterphänomen El Niño dafür verantwortlich, dass in weiten Teilen der Region in diesem Jahr kaum Regen gefallen ist. Viele Felder liegen brach, auch weil die Bauern in den ausgetrockneten Böden nichts aussäen können. Ein Jahr später, im Dezember 2025, verschärfte sich die humanitäre Lage in Afghanistan. Wiederkehrende Dürren, extreme Hitzeperioden und massive Überschwemmungen setzten der Landwirtschaft massiv zu, mehr als 17 Millionen Menschen litten unter der Ernährungsunsicherheit.

Auch die deutsche Internetseite  „agrarheute“ berichtet im August 2025 von vielen Regionen in Deutschland, die wochenlang kaum Regen, dafür oft frischen Wind haben. Die Dürre forderte ihren Tribut. Im Nordosten Deutschland, in der Nähe von Rostock fuhren Landwirte den Silomais viele Wochen früher als üblich vom Feld, um zu häckseln. Auch im Kaiserstuhl, im südwestlichen Ende Baden-Württembergs zeigte sich echter Trockenstress. Der Wassermangel führte zu niedrigeren Erträgen und schlechteren Qualitäten.

Wassermangel als Teufelskreis

Wassermangel ist ein Teufelskreis, der oft direkt zu Hunger und schweren Krankheiten führt: Ein unterernährtes Kind wird nicht gesund, wenn es verunreinigtes Wasser trinkt, egal wie viel Nahrung es zu sich nimmt. Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben und verunreinigtes Wasser trinken müssen, können sich mit Durchfallerkrankungen wie Cholerea oder Typhus infizieren  – und Durchfall geht wieder mit einem Wasser- und Nährstoffverlust einher, was auch zu Unterernährung führen kann. Andersherum sind unterernährte Kinder auch anfälliger für durch verunreinigtes Wasser übertragene Krankheiten wie beispielsweise Cholera.

Kinder am GaGu Waisenhaus aus der Nachbarschaft in Lungi.
Kinder am GaGu Waisenhaus aus der Nachbarschaft in Lungi.

Genau deshalb ist die Partnerschaft von „Wasser ohne Grenzen“ mit WASH so wichtig, sagt Dirk Brinschwitz. Doch der Verein  „Wasser ohne Grenzen“ blickt nicht nur auf Entwicklungsländer. Der Appell ist auch, mehr Sorgfalt im Umgang mit der Ressource in Deutschland zu zeigen. Die Grundwasserreserven in Deutschland schrumpfen. Eine Studie des BUND zeigt, dass mehr als 200 Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland von Wasserstress betroffen sind. Das sind mehr als die Hälfte. Doch was genau heißt das? „Der Klimastress beginnt vor der eigenen Haustür“, sagt Experte Brinschwitz.

Intelligente Lösungen sind gefragt: Stichwort „Schwammstadt“

Wird das Grundwasser knapp oder verunreinigt, wird automatisch auch das Trinkwasser knapper und teurer. 60 Prozent der deutschen Haushalte bekommen Trinkwasser aus dem Grundwasser. Doch das Wasser fließt ununterbrochen aus den Hähnen. Die chemische Industrie, wasserintensive Rechenzentren, die Landwirtschaft –  und wir alle als Verbraucher – entnehmen, vor allem an heißen Sommertagen (Duschen, Garten, Pool), sehr viel Wasser.  Doch zu wenig Wasser aus dem Niederschlag, das bedeutet Ernteausfälle. Auch in Deutschland haben Landwirte bereits Schafe und Kühe geschlachtet, weil sie kein Gras hatten, das sie verfüttern konnten.

Zwar müssen wir uns noch keine Sorgen darum machen, dass kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt, betont Dirk Brinschitz, aber wir müssen durch intelligente Lösungen – Stichwort Schwammstadt – jetzt Wege finden, um besser für unsere wichtige Ressource zu sorgen. Versiegelte Bodenflächen verhindern, dass Regenwasser versickert und gespeichert wird. Das Konzept „Schwammstadt“ berücksichtigt dies. Und mehr Bäume in der Stadt spenden Schatten und sorgen dafür, dass das Stadtklima verbessert wird.

 

Wer sich für Wasser interessiert – ob es um Regenwasser-Management geht, die Küstenstreifen von Müll freizuhalten oder als Trinkwasser-Sommelier – darf sich an Wasser ohne Grenzen oder direkt an Dirk Brinschwitz oder den Vorsitzenden des Vereins Wasser ohne Grenzen e.V.   – Jan Reimers wenden. Derzeit ist ein Themenclub Wasser in Deutschland in Vorbereitung.

 

brinschwitz@wasser-ohne-grenzen.de

reimers@wasser-ohne-grenzen.de

 

Text: Ulrike Löw

Fotos: Wasser ohne Grenzen