Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, ab dem 24. Februar folgte ein groß angelegter Angriff. Fast vier Jahre währt der Kriege – der als die größte Krise Europas im 21. Jahrhundert gilt. Millionen Menschen sind auf der Flucht, die Vereinten Nationen zählen Hunderttausende Tote und Verletzte. Die internationale Sicherheits- und Friedensordnung ist massiv erschüttert.
Bei allen Friedensbemühungen könne man nicht erkennen, dass der Krieg in seiner Brutalität abflaue, sagt Frank Dörje. Im Gegenteil: In den Gebieten entlang der Frontlinien, hier liegt auch der Oblast Kherson, sei die Not besonders groß. Aber auch Kiew ist Zentrum der Angriffe und zuletzt wurde auch Lwiw/Lemberg massiv bombardiert.
Der Druck auf Europa ist hoch
„Wir dürfen nicht nachlassen“, so der gemeinsame Appell von Governor 1880 Daniel Neuer und Frank Dörje, „in unserem Widerstand gegen den Aggressor und unserem Streben, die Bevölkerung humanitär zu unterstützen“. Viele Rotary-Clubs engagieren sich seit Kriegsbeginn, aktuell ruft Frank Dörje (RC Erlangen) als Schwerpunktbeauftragter für medizinische Hilfen der Task-Force des Deutschen Governorrats und Beauftragter RID 1880 Ukrainehilfe wieder zur Hilfe auf. Die kriegsgeplagte Ukraine braucht unsere Hilfe – mehr denn je.
Und das liegt auch daran, dass die US-Regierung zunächst als Hauptplayer für die humanitäre und militärische Hilfe auftrat, doch unter Präsident Donald Trump jede direkte Hilfe für die Ukraine eingestellt hat. Die militärische Unterstützung, die noch geleistet wird, wird von europäischen Staaten finanziert. Der Druck auf Europa erhöht sich auch deshalb.
„Es ist beeindruckend, was Rotarier leisten!“
Der Deutsche Governorrat (DGR), mit den 15 deutschen Distrikten und dem Rotaract Deutschland Komitee, hat bereits am 26.Februar 2022 eine Task Force gebildet. „Es ist beeindruckend, was viele Einzelne und auch die über 1.000 Rotary Clubs geleistet haben“, so Frank Dörje.
Als leitender Apotheker am Universitätsklinikum Erlangen ist er vom Fach und kann schon deshalb einzelne Clubs und die Distrikte bei ihren Projekten und Spenden beraten, wenn es um medizinische Hilfen mit action medeor e.V. geht.
Das deutsche Medikamentenhilfswerk leistet seit 60 Jahren Not- und Katastrophenhilfe und beschafft im Kontakt mit lokalen Partnern Arzneimittel, Medizinprodukte und Medizintechnik. Der Einsatz ist dringend notwendig, denn in diesem Krieg werden medizinische Einrichtungen nicht verschont, vielmehr werden Krankenhäuser und medizinische Versorgungszentren gezielt zerstört.
Frank Dörje (RC Erlangen) kann auf den Cent genau nachweisen, wohin die Spenden gehen
Die neue Spendenaktion hat deshalb das Ziel, im Oblast Kherson eine mobile Apotheke zu errichten. Kherson ist ein umkämpftes Gebiet, ständig unter Drohnen-Beschuss, die Menschen sind in allerhöchster Not. Frank Dörje verdeutlicht: Wenn Menschen mit chronischen Erkrankungen etwa ihre Bluthochdruckmedikamente nicht bekommen, können sie Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden, Diabetiker sind ohne Medikamente von einem hyperglykämischen Schock bedroht, im Winter sind Antibiotika nötig, es drohen Influenza und Atemwegserkrankungen.
Frank Dörje hat gemeinsam mit action medeor e.V. immer wieder Projekte realisiert, er kann auf den Cent genau nachweisen, wohin die Spenden geflossen sind, der gemeinnützige Verein dokumentiert jede Medikamentenrechnung im Detail, die Projektleiter reisen selbst mehrfach pro Jahr in die Region Kherson und supervidieren die Lieferungen vor Ort. Sie behalten genau im Blick, dass den betroffenen Menschen die Medikation, die sie brauchen, auch ausgehändigt wird. Auch mit Projektleiter Max Hoßfeld, er reist in diesem Fall regelmäßig für action medeor e. V. in die Ukraine reist, steht Frank Dörje in Kontakt.
Erfolgsgeschichte 1: ein Anästhesiegerät. Die mobile Apotheke soll Erfolgsgeschichte 2 werden
Zuletzt war im Distrikt 1880 für ein Anästhesiegerät gesammelt worden, mittlerweile steht das Gerät im Keller des Krankenhauses in der gleichnamigen Hauptstadt Kherson des Oblast Kheron. Hier werden – geschützt vor Angriffen – lebensnotwendige Operationen durchgeführt. 33 Clubs aus dem Distrikt 1880 hatten insgesamt 30.149 Euro gespendet, so konnten überdies auch noch dringend notwendige Zytostatika, Medikamente die zur Behandlung von Tumoren eingesetzt werden, finanziert und durch action medeor e.V. vor Ort gebracht werden.
Rotarier und Rotarierinnen vieler Clubs im Distrikt 1880 helfen seit vier Jahren mit den unterschiedlichsten Aktionen.
Beispielhaft seien nur die RCs Chemnitz, Chemnitz-Schlossberg, Chemnitz-Tertia und der RC Marienberg erwähnt, sie kauften zusammen einen ausgemusterten, aber brauchbaren Rettungswagen für gut 9.000 Euro. Er wurde mit medizinischem Material beladen und dem Bezirkskrankenhaus in Svitlovodsk/Ukraine übergeben. Das Ambulanzfahrzeug wurde vom Rettungszweckverband Südwestsachen in Plauen angekauft, es wäre ansonsten in die Versteigerung gegangen.
Schnelle Hilfe durch Hilfspakete: Packtage in Nürnberg und Radebeul
Auch der RC Fürth investierte 10.000 Euro, um vom Roten Kreuz einen Rettungswagen zu erwerben. Das Fahrzeug wird in Charkiw im Nordosten der Ukraine eingesetzt, um Menschenleben zu retten.
Schnelle Hilfe durch Hilfspakete. So organisiert zum Beispiel der RC Nürnberg-Reichswald Packtage für Hilfspakete mit Nahrungsmitteln sowie Umhängetaschen mit den notwendigsten Gütern für Mütter, die mit kleinen Kindern von einer Sekunde auf die andere flüchten müssen – an diesen Packtagen wirken auch der RC Nürnberg, der RC Nürnberg-Kaiserburg, der RC Nürnberg-Sigena, der RC Nürnberger-Land, der RC Nürnberg-Connect, der RC Nürnberg-Neumarkt und der Inner Wheel Club St. Lorenz mit. Unterstützung kommt auch von dem Rotary Deutschland Gemeindienst e.V. und der Rotary Foundation.
Die Menschen in der Ukraine sollen sehen, dass uns ihr Schicksal nicht egal ist
In Sachsen packt der RC Radebeul Weihnachtspäckchen für Kinder in Obuchiv/Ukraine, unterstützt vom Lions Club und der Kinderarche Sachsen. In die Pakete kommen Süßigkeiten, Spielwaren und Schulbedarf für die Radebeuler Partnerstadt.
All dies zeigt die Erfolge – und es geht nicht nur um materielle Unterstützung, sondern auch darum, dass die Menschen vor Ort in dem kriegsgeplagten Land sehen, dass uns hier im Westen ihr Schicksal nicht egal ist.