RC Nürnberg-Sebald lässt Heiligenfiguren restaurieren Sebald hilft Sebald

gerüst in einer kirche

Die Sebalduskirche ist als älteste Pfarr- und Ratskirche in der Nürnberger Altstadt präsent – der RC Nürnberg-Sebald trägt den Stadtpatron im Namen und hat dem Heiligen gerade eine üppige Schönheitskur spendiert.

Ein Meeting in einer Kirche – dies ist selbst für Rotary ungewöhnlich. Aber schließlich beginnt diese ganze Geschichte schon mit einem katholischen Heiligen in einer evangelischen Kirche.

Die Mitglieder des RC Nürnberg-Sebald drängen sich in den Kirchenbänken, Kanton Alexander Rebetge lässt in der stillen, allmählich dunkel werdenden Sebalduskirche die Orgel erklingen.

Heuer geht die Heiligsprechung des Stadtpatron in ihr 600. Jubiläumsjahr und dazu passend haben die Mitglieder des RC Nürnberg-Sebald 11.000 Euro gespendet, um zwei Figuren des Sebaldus restaurieren zu lassen. Präsident Peter Fleischmann war bis zu seiner Pensionierung 2021 Leiter des Staatsarchivs Nürnberg, als Historiker hat er sich in Geschichte des Sebaldus geradezu hineingekniet, ist sie doch wie ein Spiegel Nürnbergs.

Wie Sebaldus als katholischer Heiliger in eine evangelische Kirche gekommen ist, beschäftigt auch Pfarrer Martin Brons (RC Nürnberg, 1. Pfarrstelle für St. Sebald und St. Egidien) schon länger – und so spricht auch er ein Grußwort in einer Dankesfeier.

Christina Verbeek und Susanna Brinkmann vom Atelier für Restaurierung Köln erläutern zudem fachkundig, was sie an den beiden Skulpturen von 1340 und 1380 gemacht hatten. Sie schildern erhebliche Verkrustungen, sorgfältige Reinigung und beschreiben ältere Farbschichten der Figuren. So galt es beispielsweise im Barock als modern, Figuren vollständig weiß zu gestalten, allein die Säume der Mäntel wurden häufig vergoldet.

Damit die Expertinnen ihre Arbeit in schwindelerregender Höhe machen konnten, war zwei Baugerüste nötig – noch stehen sie in dem herausragenden Kirchenbau mitten in der Stadt. Christoph Fuchs (RC Nürnberg-Sebald), Geschäftsführer des gleichnamigen Bauunternehmens,  ließ sie auf eigene Kosten kurzerhand aufbauen.

Die Gebeine des Sebaldus liegen in einem Prunkgrabmal, einem der größten Grabmäler Nordeuropas, in der evangelischen Kirche. Er wurde in Nürnberg bereits im 11. Jahrhundert verehrt, vormals befand sich an der Stelle von St. Sebald eine dem Heiligen Peter geweihte Kapelle – doch die Menschen pilgerten zu Sebaldus. Heute würde man von einem „Hype“ sprechen.

Und dieser Hype, die Verehrung des Sebaldus, hielt ungebremst über die Generation an.  Die päpstliche Bulle vom 26. März 1425 samt Heiligsprechung bildet den Höhepunkt dieser Entwicklung, die Nürnberger hatten nun ihr römisches Gütesiegel. Heute lagert die originale Bulle der Heiligsprechung im Staatsarchiv.

Heute ist die Sebalduskirche  nicht nur ein Symbol für Reichtum und Ausstrahlung der Stadt, sondern auch eine kostenpflichtige Dauerbaustelle: Pfarrer Brons ist dankbar für die großzügige Unterstützung, St. Sebald braucht Spenden. Der Verein der Bauhütte von St. Sebald unterstützt seit dem Jahr 1885 den Erhalt der Kirche und ihrer Kunstschätze.

Jeder sei einladen, sich ein Bild von den faszinierenden Farben der frisch restaurierenden Figuren zu machen und „spannende Geschichten rund um den Stadtpatron zu hören“, sagt Martin Brons.

Jeden Tag findet um 15 Uhr eine Kirchenführung statt.Etwa 300.000 Besucher von nah und fern besuchen jährlich die Kirche, unter anderem um die Werke der berühmten Bildhauer Veit Stoß und Peter Vischer zu sehen.