Hands-on-Projekt: Für vier Tage nach Sri Lanka!

Daniel Neuer, Distrikt Governor 1880, beim Hands-on-Projekt in Sri Lanka.

Natürlich, die Überschrift ist eine Provokation: Vier lächerliche Tage für die größte Insel vor der Küste des indischen Festlandes, für etwa 65.000 Quadratkilometer. Vier CO2-Sündentage – kann man so sehen. Die Rechnung fällt anders aus, wenn Governor Daniel Neuer erzählt, denn dann klingt es nach vier Wochen…

Wie ist das gekommen? Warum gerade Sri Lanka?

Daniel Neuer: Bei meinen Besuchen als Governor im Distrikt 1880 habe ich im RC Passport D 1880 Grit Graßberger und Claudia Luft kennengelernt – und sie haben mir von ihrem Verein Juniti e.V. erzählt. Ihr aktuelles Projekt ist in Sri Lanka, dort sorgen sie unter anderem in Kooperation mit den örtlichen Rotariern des RC Badulla dafür, dass in den Schulen den Kindern eine Mahlzeit geboten wird. Die Voraussetzung, dass die Kinder gut lernen können.

Tolle Geschichte, finde ich und habe gedacht, schon das zweite Projekt von starken Frauen in diesem Teil der Erde. Und anderswo diskutieren manche Clubs heute noch, ob sie überhaupt Frauen aufnehmen. Denn mir ist auch gleich Kerstin Thorwart (RC Nürnberg-Sigena, Ehrenmitglied RC Colombo) eingefallen, die sogar von der UN als erste Europäerin die Auszeichnung „Global Woman in Action“ erhalten hat. Sie war an Weihnachten 2004 in Sri Lanka, als der Tsunami weite Teile der Küste verwüstet hat. Eine Naturkatastrophe, die vor mehr als 20 Jahren mehr als 23.000 Tote gefordert  und die Infrastruktur zerstört hat. In Galle war die einzige Geburtshilfeklinik betroffen.

Ich war jetzt, bei meinem Besuch in Sri Lanka, mit Kerstin Thorwart am Strand. Sie hat auf die Surfer im Meer gedeutet, ihre Augen haben geleuchtet  – und es war klar, dass all diese Menschen in dieser Klinik geboren wurden, zu deren Aufbau es unter ihrer Leitung gekommen ist. Mehr als 200 Rotary Clubs hatten über 1, 8 Millionen US-Dollar gesammelt und gespendet.

Im November 2025 hat Sri Lanka wieder eine Naturkatastrophe getroffen. Ein Zyklon mit heftigen Regenfällen, Überschwemmungen und Erdrutschen hat wieder hunderte von Toten gefordert.

Daniel Neuer: Und dann habe ich reagiert. Mein Motto für meine Amtszeit 2025/26 sind ja Hands-on-Projekte. Und so habe ich mit den Frauen gesprochen, und angekündigt zu kommen. Und zwar nicht, um vor Ort Essen zu gehen und kühle Drinks am Strand zu genießen.

Ich habe,  im Hochland, wo auch der Verein Juniti e.V. aktiv ist, Schulen besucht und dort geholfen, Mittagessen auszugeben. Dort habe ich einige Freunde des RC Badulla kennengelernt. Aktuell sind die Rotarier unter anderem dabei, den Neubau einer Schule zu unterstützen – durch den Zyklon wurden viele Schulen beschädigt oder gleich zerstört. Das habe ich mir natürlich auch angesehen und aktiv mitgearbeitet. Und der Club feierte in den Tagen, in denen ich dort war, 50 Jahre.

Und dann folgte die Einladung zur Charter-Feier?

Daniel Neuer: Ja, ich wurde tatsächlich eingeladen und gefragt, welche Projekte wir in unserem Distrikt unterstützen. Natürlich habe ich präsentiert, was wir so machen: Gezeigt habe ich dann den Polio-Bär, Fotos von Bürgerfesten und auch die Aktion vorgestellt, in der viele Clubs aus Radebeul und auch der Nürnberger Gegend Hilfspakete mit Nahrungsmitteln für die Menschen in der Ukraine packen.

Die Charterfeier war toll, etwa 100 Menschen waren dort und jeder brachte seine eigenen Getränke mit. Es ist dort übrigens eine Riesenehre, überhaupt bei Rotary sein zu dürfen. Das nationale Fernsehen hat einen vier Minuten langen Beitrag gebracht und auf der Charter-Feier haben die Freunde ihre Projekte gezeigt – Polio haben sie auch total auf dem Schirm.

Der RC Badulla unterstützt den Wiederaufbau und kooperiert mit Grit Graßberger und Claudia Luft – und deren Verein Juniti.

Daniel Neuer: Und tatsächlich wurden Grit und Claudia an diesem Abend auch noch zu Ehrenmitgliedern ernannt. Da sieht man genau, dass Rotary gerade im Wandel ist. Ganz wunderbar.

Der örtliche Club unterstützt auch den Wiederaufbau nach dem Unwetter.

Daniel Neuer: Und auch Bildungsprojekte werden unterstützt, vor allem jungen Menschen gilt der Augenmerk. Es gibt auch Aufforstungsprogramme, wer mag, kann Deutschland aus unterstützen und virtuell einen Baum pflanzen, da bist du mit vier Cent dabei. Und dabei den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit ist der Baum in kurzer Zeit schon drei bis vier Meter hoch.

Und in diesen vier Tagen hast du auch beeindruckende Frauen und Männer aus dem rotarischen Universum kennengelernt.

Daniel Neuer: Tatsächlich bin ich Ravi Ravindran, er war im Jahr 2015 bis 2016 Präsident von Rotary International, begegnet. Er ist im Club Colombo in Sri Lanka – ein Club, der übrigens bereits im Jahr 1929 gegründet worden ist.

Auch Pubudu De Zoysa durfte ich treffen, sie war District Governor für Sri Lanka und die Malediven und verantwortet unter anderem die Aktion mit den Bäumen.

Und als sehr beeindruckende Frau habe ich auch Avanti Karun erlebt, sie war Präsidentin des RC Kandy und engagiert sich sehr aktiv in den Bemühungen des Clubs, das Polio-Bewusstsein zu stärken – sie hat Fahrrad-Rallyes organsiert und in Kunstauktionen Fundraising betrieben, um die Botschaft der „END POLIO NOW“-Kampagne in Sri Lanka zu verbreiten.

Es war wirklich ein irres Programm für vier Tage – einige dachten wohl auch, das ich Geschäfte machen will. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich bin natürlich auf eigene Kosten geflogen, Rotary ist ja kein Reisebüro. Und ich habe in jedem Gespräch betont, dass ich einfach nur eines will: auf Augenhöhe sprechen und gemeinsam auch hier aktiv sein. Eventuell lässt sich ja ein gemeinsamer Länderausschuss Sri Lanka-Deutschland gründen.